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„Die Welt braucht wirklich kein weiteres T-Shirt”

Zurück auf Los: Mirian Lamberth über das Aufgeben einer Top-Karriere für sehr viel Zufriedenheit.
10 Minuten
Von
Nadine Semmler
,
veröffentlicht am
4.12.2020
.
Fotos:
Jonas Holthaus

Sie hatte alles und hat alles hinter sich gelassen, um ihrem Bauchgefühl zu folgen. Ohne Reue ließ sie dabei zurück, was andere um keinen Preis wieder hergeben würden. Doch sie ist anders: sie ist halt Mirian Lamberth, ehemals globale Kreativdirektorin von Tommy Hilfiger, heute Private Health Coach und Creative Consultant. Wir treffen sie zu einem Gespräch und plaudern entspannt über das Hinschmeißen ihrer Karriere und einem Leben ganz ohne Privatjet, dafür aber mit sehr viel Zufriedenheit.

Auch ohne Privatjet und Firmenkreditkarte sehr zufrieden: Mirian Lamberth

COVERED: Schön, dass du Zeit für uns hast, Mirian. Wir möchten dich gedanklich gern ein Stück auf deinen beruflich eher unkonventionellen Weg begleiten. Nimm uns doch für den Anfang in eine Zeit mit, in der du in New York gelebt hast und die Karriereleiter steil nach oben geklettert bist. In welchem Jahr befinden wir uns und wie sah zu dieser Zeit dein Leben aus?

Mirian: Es war ungefähr 1991/92. Ich hatte gerade mein Modedesign-Studium in New York beendet und wurde sofort angeheuert. Es war eine Zeit, in der amerikanische Mode als etwas Besonderes galt. Namen wie Perry Ellis, Ralph Lauren oder Liz Claiborn wurden damals groß und es gab unendlich viel Raum für Kreative, Designer und Künstler. Ich war ein Teil davon. Für mich war alles komplett neu, auch das viele Geld, das ich mit meinem ersten großen Job verdiente – das alles kannte ich damals so nicht. Als ich dann globale Kreativdirektorin von Tommy Hilfiger wurde, war das so ziemlich der Peak meiner Karriere. Ich hatte alles: ein Haus in den Hamptons, ein riesiges Auto vor der Tür, Flüge in Privatjets und weitere Annehmlichkeiten.

Es ist einfach so mit mir passiert

COVERED: Wie hast du deinen plötzlichen Lebenswandel empfunden?

Mirian: Ich komme aus Berlin vom Kottbusser Tor und war plötzlich in New York, inmitten von alledem. Irgendwie bin ich da reingestolpert und bin die Karriereleiter von Job zu Job unbeabsichtigt nach oben gestiegen. Ich war jung und habe einfach gemacht, ganz ohne viel darüber nachzudenken. Ich habe mir nie gewünscht, Kreativdirektorin einer der größten globalen Firmen zu werden. Es ist einfach so mit mir passiert.

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„Irgendwann habe ich mich mehr für die Geschichten der Menschen, statt für die Mode und das Produkt interessiert”

COVERED: Man könnte also sagen, du hattest deine Schäfchen nicht nur ins Trockene gebracht, vielmehr hast du sie sogar luxuriös versorgt. Doch dann hat sich scheinbar etwas in dir oder in deinem Leben verändert. Was war das?

Mirian: Es gab nicht wirklich einen bestimmten Anlass. Irgendetwas ist eher mit mir passiert. Ich mochte es schon immer, mich mit Menschen zu beschäftigen und liebe nicht nur die Kreativität, sondern besonders die Auseinandersetzung mit dem kreativen Geist. In einer Führungsposition angekommen, konnte ich mich dem verstärkt widmen. Ich konnte meine Schützlinge begleiten, sie in ihrem Selbstbewusstsein über Coachings stärken und sie an ihren Erfahrungen wachsen sehen. Dabei habe mich mehr und mehr für die Geschichten der Menschen, statt für die Mode und das Produkt interessiert.  

Körper, Geist und Seele in Einklang bringen

COVERED: Wie sahen dann die ersten Schritte in dein neues Leben aus?

Mirian: Ich fand es bedauerlich, dass nur 50 Prozent meiner Arbeit auf diesen Teil abfiel. Da ich ohnehin neben meinen Job eine Yogaausbildung begonnen hatte und an den Wochenenden an Workshops zum Thema holistischer Gesundheit teilgenommen habe, habe ich mir unbewusst den Grundstein für etwas Neues gelegt. Meine Chefin nahm meine Umorientierung viel eher wahr als ich selbst und teilte mir irgendwann mit, dass es besser wäre, sich zu trennen, damit ich meinen eigenen Weg gehen kann. Sie hat mich als Mensch erkannt und mich mit den besten Absichten und einem außerordentlich großzügigen „Care Paket” in die Welt entlassen.  

„Ich hatte in meinem Leben bereits alles und auch schon nichts“
Zukunftsängste? Easy!

COVERED: Hattest du damals Zukunftsängste oder warst du furchtlos?  

Mirian: Zukunftsängste hatte ich noch nie. Ich hatte in meinem Leben bereits alles und auch schon nichts. Ich kann mich auch an die Zeiten als arme Studentin in New York mit fünf Jobs erinnern und nebenbei bemerkt, war diese Zeit eine meiner schönsten. Beide Zustände, gut situiert zu sein und ebenso wenig zu besitzen, waren mir also vertraut. In beiden Situationen habe ich mich immer wohlgefühlt, in beiden Situationen war ich immer ich selbst.

COVERED: Du bist über Bali wieder in deiner alten Heimat Berlin gelandet. Was kam danach?

Mirian: Ich bin mit einer TCM- & yogatherapeutischen Ausbildung und jeder Menge Tatendrang in Berlin gelandet und war mehr als bereit, sofort loszulegen. Ganz schön naiv, denn ich musste feststellen, dass man in Deutschland zum Praktizieren Ärztin oder Heilpraktikerin sein muss. Somit habe ich eine knapp 3-jährige Ausbildung absolviert, um endlich loslegen zu dürfen. Während dieser Zeit habe ich Consulting-Aufträge mit einem holistischen Ansatz für Fashion-Firmen durchgeführt. Früher buchten mich diese Firmen für ihre Kollektionen, heute reden wir über Health Ideation.

Private Health Coach Mirian

COVERED: Was machst du heute? Wie betitelst du dich selbst?

Mirian: Meistens nenne ich mich Private Health Coach. Diese Bezeichnung stammt aus Amerika, kommt aber auch allmählich in Deutschland an. Ich betreue meine Kunden regelmäßig, soll heißen, ich coache sie ein- bis zweimal die Woche. Dafür begebe ich mich meistens in ihr privates und ihr Arbeitsumfeld und schaue mir den Menschen innerhalb seines Lebensumfeldes an. Dabei geht es um eine holistische Beleuchtung der Gesundheit: Es geht um Job, Körper, Gemüt, Seele, Schmerztherapie, Kreativität und Innovation. Es ist wichtig, dass alles im Zusammenhang und nicht separat zu betrachten.

„Um Menschen zu helfen, muss ich im Übrigen selbst die Ruhe in Person sein“
Stress rauszunehmen

COVERED: Was siehst du heute als deine größte Herausforderung?  

Mirian: Meine größte Herausforderung bin ich selbst und der Fakt, dass ich nur eine einzelne Person bin. Ich würde gerne mehr Menschen inspirieren. Meine Arbeit ist sehr persönlich und herausfordernd. Um Menschen zu helfen, muss ich selbst die Ruhe in Person sein. Ich darf nicht gestresst zu jemandem kommen, sondern bin da, um Stress wegzunehmen. Demzufolge muss ich sehr viel auf mich selbst achten. Um das zu gewährleisten, nehme ich mir regelmäßig Auszeiten und kümmere mich um mich selbst. Oft kann ich nicht so viele Menschen behandeln oder Projekte realisieren, wie ich möchte. Das finde ich manchmal schade.

COVERED: Wenn du zurück blickst, was nimmst du als Erfahrung aus dieser Richtungsänderung mit?

Mirian: Interessant war, dass ich plötzlich nicht mehr in dieses gemütliche Corporate Leben mit seinen sicheren Strukturen eingebettet  war und ich mich auf mich allein gestellt wiederfand. Plötzlich war da keiner mehr, der für einen die Flüge bucht, die Steuererklärung macht und Termine koordiniert. Keiner hält einen mehr den „Schirm” da draußen: Wenn es regnet wird man eben nass. Ich musste lernen, alles selbst zu übernehmen. Das brachte jedoch auch eine große Freiheit und ein selbstbestimmtes Leben mit sich, was ich sehr schätze und nicht missen möchte.  

Nur wer mit sich selbst im Reinen ist, kann anderen helfen.

COVERED: Würdest du das Rad deiner eigenen Geschichte zurückdrehen? Vermisst du etwas aus deinem „anderen” Leben?

Mirian: Nein. Ich bin froh, dass das Leben ist, wie es ist.

COVERED: Welchen Rat würdest du unseren Lesern geben, die vor einen großen Lebensentscheidung stehen, egal welcher?

Mirian: Ich rate dazu, so wenig wie möglich zu denken und einfach zu springen. Zudem sollte man das Ganze mit dem Herz beleuchten und nicht nur mit dem Kopf. Das Schlimmste was passieren kann, ist, dass man eine falsche Entscheidung getroffen hat. So what?! Zumindest hat man dann den Mut gehabt, ins Ungewisse zu treten und sich getraut eine Entscheidung zu treffen. Ich habe sehr viele Kunden und noch nie hat einer zu mir gesagt, er bereue zutiefst, dies oder jenes probiert zu haben, denn besonders durch Fehlentscheidungen kann man eine Menge fürs Leben lernen. Auch ich darf jeden Tag lernen. Ich denke diese Einstellung ist gesünder und fruchtbarer, als gestresst der persönlichen Optimierung hinterherzurennen.

„Ich wünsche mir einen Ort für Körper und Seele, wo Menschen sich selbst und sich gegenseitig begegnen können“

COVERED: Wünschst du dir etwas für die Zukunft?

Mirian: Ich möchte einen Ort der Begegnung, einen urbanen Ashram schaffen, in dem es um ganzheitliche Gesundheit und kreatives Miteinander geht. Kurzum: Ich wünsche mir einen Ort für Körper und Seele, wo Menschen sich selbst und sich gegenseitig begegnen können. Ich kenne unglaublich viele inspirierende Menschen, die ich gerne zusammenbringen möchte. Diese Idee ist im Übrigen noch sehr jung. Ich habe sie bisher noch niemanden erzählt.

Wir sind sehr gespannt, was daraus wird liebe Mirian. Wir wünschen dir dafür und auch für deine Arbeit als Private Health Coach weiterhin alles Gute. Vielleicht inspiriert deine Geschichte auch andere Menschen, ihrem Bauchgefühl zu folgen.

Mehr Infos zu Mirian unter: @mirianlamberth

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