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„Statt High Heels habe ich jetzt sechs Paar Gummistiefel”

Raus aus der Stadt, rein ins Dorfleben. Autorin und Bloggerin Alexa von Heyden nimmt uns mit auf eine spannende Reise durch ihr Leben, Brandenburg und das Jahr 2020.
6 Minuten
Von
Eileen Splitt
,
veröffentlicht am
29.12.2020
.
Fotos:
Jonas Holthaus

Alexa von Heyden hat ihre Altbauwohnung in Berlin und ihren Job als Modejournalistin gegen ein Haus am See, Landluft und Dorfidylle eingetauscht. Abseits des Großstadtdschungels hat sie sich beruflich neu gefunden. Mit viel Herz und Leidenschaft saniert und modernisiert sie zusammen mit ihrem Mann ein Haus mit Baujahr 1910. Statt zur Fashion Week geht sie jetzt in den Baumarkt, statt High Heels trägt sie Gummistiefel und die 3000 Euro, die sie damals in eine neue Handtasche gesteckt hätte, gibt sie heute lieber im Baumarkt für Schubkarren, Rindenmulch und die Sanierung des Hauses aus. Wir treffen sie in ihrer liebevoll getauften Villa Peng und sprechen mit ihr über Altes und Neues, Veränderung und was sie aus 2020 mitgenommen hat. 


COVERED: Hallo Alexa. Wir treffen dich hier in Brandenburg in Wusterwitz. Das ist 1,5 Stunden vom Berliner Stadtzentrum entfernt. Um uns herum sind Wälder, ein See und Dorfidylle. Du hast deine Altbauwohnung im Szenekiez von Berlin-Mitte und einen aufregenden Job als Lifestyle-Journalistin gegen Gummistiefel, Landleben und ein sanierungsbedürftiges Bauernhaus eingetauscht. Warum?

Alexa: Als ich mit 39 Jahren endlich Mutter geworden bin, war klar, dass wir uns vergrößern müssen. In Berlin konnten wir uns das, was wir uns vorgestellt haben, nicht leisten. Die Eltern meines Mannes haben bei einem Spaziergang in seinem Heimatdorf Wusterwitz einen Zettel am Briefkasten entdeckt: Zu verkaufen. Sie sagten: "Wenn ihr es nicht nehmt, dann nehmen wir es!" So ein Haus am See kommt fast nie auf den Markt, da es entweder vererbt wird oder unter der Hand weggeht. Das war also ein Riesenglück für uns, obwohl ich wegen der Lage – so weit draußen –  anfangs sehr skeptisch war. Als wir zur Besichtigung waren, haben wir uns direkt in die Türen und die alten Fliesen verliebt und wollten es unbedingt. Das war aber gar nicht so leicht. Wir mussten uns bewerben und ein richtiges Casting mitmachen. Die Vorbesitzer wollten es nur in gute Hände und keinem Spekulanten geben, jemandem, der das Haus wieder mit Leben füllt. Sie haben uns auf Herz und Nieren geprüft. Ein paar Monate zog sich das. Inzwischen kam unsere Tochter zur Welt. Eine Woche später haben wir das Haus endlich gekauft und sind vier Monate später mit nur einem bezugsfähigen Zimmer eingezogen. Alles andere sanieren wir seit drei Jahren Stück für Stück. Wir haben schon sehr viel geschafft, nur noch die Fassade und das Badezimmer im Erdgeschoss fehlen.

Im Garten der Villa Peng

COVERED: Warum habt ihr euch das denn angetan? Warum kein Neubau? 

Alexa: Hätte ich das Haus online auf einer Immobilienplattform gesehen, wäre ich nie hergekommen, vor allem von außen schreckt es erst einmal ab. Wenn man dann aber in dem Haus steht, hat es so viel Charme, Geschichte und Charakter, dass dass man sich einfach verliebt muss. Ehrlicherweise muss man auch sagen, dass wir sehr naiv an die Renovierung herangegangen sind. Wir dachten, wir renovieren sechs Wochen. Nun sind es schon drei Jahre und die To-Do-Liste endet nie. Wir sind hier aber so glücklich, dass das total ok ist.

Ich konnte mir anfangs nicht vorstellen, ohne Sommerrollen,
Sushi, Yoga und Coffee to go
überhaupt existieren zu können”

COVERED: Berlin hat 3,7 Millionen Einwohner, Wusterwitz knapp 3000. Wie kommst du mit dem Dorfleben zurecht und was hat Brandenburg, was Berlin nicht hat?

Alexa: Ich konnte mir anfangs nicht vorstellen, ohne Sommerrollen, Sushi, Yoga und Coffee to go überhaupt existieren zu können. Heute bin ich überrascht, wie vielfältig und schön Brandenburg ist. Hier herrscht eine Gelassenheit, die mir in Berlin manchmal gefehlt hat und die man sich dort teuer erkaufen muss, indem man ins Vabali-Spa geht oder Yogakurse macht. In Brandenburg kann ich jederzeit in die Natur gehen und habe Wellness gratis. Man kommt zur Ruhe, durch den Kontakt mit der Natur und man kann atmen.  

Direkt vor der Tür ist der Wusterwitzer See

COVERED: Inwiefern hast du dich als Mensch durch den Umzug verändert?

Alexa: Vor allem mein Konsumverhalten hat sich verändert. Ich gebe auf einmal viel mehr Geld im Baumarkt aus für Rindenmulch oder eine Schubkarre. In Berlin habe ich mich teilweise sehr unter Druck gesetzt gefühlt. Es hat sich angefühlt wie in einem Hamsterrad: Man geht arbeiten, verdient Geld und kauft sich etwas Schönes, um zu zeigen, dass man erfolgreich ist und um nach außen etwas darzustellen. Man kauft sich eine teure Tasche für 3000 Euro, aber wenn man ehrlich ist, hat sich das Leben dadurch nicht deutlich verbessert und nach ein paar Wochen hängt sie nur noch im Schrank und man überlegt, was man sich als nächstes kauft. Als ich nach Brandenburg kam, habe ich mich gewundert, dass alle mit 30 bereits ein Haus besitzen. Da habe ich mich echt hinterfragt. Eine teure Tasche verändert mein Leben nicht, aber ein Haus zu besitzen, natürlich schon. Das hat Wert und Bestand und ist eine finanzielle Absicherung fürs Alter. 

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Statt High Heels habe ich jetzt
sechs Paar Gummistiefel”

COVERED: Du warst Redakteurin für Elle, Harper’s Bazaar, Vanity Fair und hast die Seite Stylebook mit aufgebaut. Du warst am Puls der Zeit, den neuesten Trends auf der Spur, zu Gast bei der Fashion Week und auf angesagten Parties. Was hat sich mit dem Umzug für dich jobtechnisch verändert? 

Alexa: Als wir hergezogen sind, war mir klar, dass ich mich auch beruflich neu erfinden muss. Ich war bereit, im Amt zu arbeiten und etwas ganz anderes zu machen. Zu meinem Glück ist jedoch das Bewusstsein für Nachhaltigkeit, Landlust und DIY so im Zeitgeist verankert, dass ich meinen Blog Alexa Peng, den ich bereits hatte, und die Instagram-Kanäle, ganz neu positionieren konnte. Ich habe aus mir eine Marke gemacht, statt nur für andere zu arbeiten. Jetzt arbeite ich mehr als je zuvor, was positiv ist. Aber klar, Street Style Fashion gibt es in Wusterwitz nicht. Als wir hergezogen sind, habe ich erst einmal alle meine High Heels verkauft. Jetzt habe ich sechs Paar Gummistiefel für verschiedene Anlässe. 

Der Fliesenboden war Liebe auf den ersten Blick
Manchmal fühlt sich 2020 an
wie ein Science-Fiction-Film”

COVERED: Inwiefern hat 2020 dich in der Entscheidung für das Haus bestärkt?

Alexa: Dieses Jahr war für uns ein Jahr, an dem mein Mann und ich uns auf die Schulter geklopft haben und uns in unserer Entscheidung für das Haus bestätigt gefühlt haben. Manchmal fühlt sich 2020 an wie ein Science-Fiction-Film – einfach surreal. Es sind Zeiten, von denen ich nie geglaubt hätte, dass ich sie mal erleben werde. Diese Unsicherheit, das Unvorhersehbare und Unkontrollierbare. Ich bin sehr dankbar, dass meine Familie gesund ist und weiß unser Leben hier viel bewusster zu schätzen. Ich lebe mehr im Hier und Jetzt.

Wohnzimmer und Wohlfühloase

COVERED: Hat sich an deiner Lebenseinstellung durch 2020 etwas geändert?

Alexa: Ich rege mich nicht mehr so über Dinge auf. Früher habe ich mich wahnsinnig in Sachen reingesteigert. Heute bin sehr viel entspannter. Meine Frustrationstoleranz ist größer. Und ich bin ehrlicher und sage, wenn es beruflich wegen Corona gerade nicht gut läuft oder ich fertig bin. Warum auch nicht? Wir sollten alle viel öfter ehrlich zu uns selbst sein und zu anderen und sich eingestehen, wenn es mal nicht so gut läuft.


COVERED: Welche Chancen siehst du in Hinblick auf 2021 und die Zukunft?

Alexa: Einfach mal keine Pläne machen, das Leben auf sich zukommen lassen und sich mehr entspannen. 

Alexas Rat für 2021: Entspannen und einfach mal keine Pläne machen

COVERED: Mit einem Haus und dem Kredit geht auch eine große Verantwortung einher. Wie sichert ihr euch als Paar für die Zukunft ab?

Alexa: Wir haben beide eine Risikolebensversicherung. Das heißt wenn einer von uns beiden ausfällt und stirbt, bekommt der andere eine fixe und gewählte Summe und kann den Kredit trotzdem bezahlen. Das gibt uns ein großes Gefühl von Sicherheit. Damit wissen wir, dass der Überlebende im schlimmsten Fall das Haus nicht verliert und unserer Tochter ihr Zuhause bleibt. 

COVERED: Vielen Dank liebe Alexa für das tolle und inspirierende Gespräch. Wenn ihr mehr über die Villa Peng, Alexa selbst oder ihren Blog lesen wollt, klickt doch mal rein. Alles Wissenswerte rund um das Thema Risikolebensversicherung findet ihr hier. 

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